Wird Rathenow 2015 zu Stuttgart 21

Seit der letzten Stadtverordnetenversammlung steht fest, die Brücke für die Bundesgartenschau 2015 vom Optikpark zum Weinberg wird gebaut. Zumindest wurde über die Investitionen abgestimmt. Der Großteil der Abgeordneten der Linken , SPD, FDP und Pro Rathenow stimmten dafür. Der Eigenanteil der Stadt für dieses 9 Millionen teure Mammutprojekt wird 2,1 Mio. € betragen. Dafür wurden andere nachhaltige BUGA-Projekte, wie Caravan-Stellplatz, Kletterwald und Spielewelt gestrichen. Auch die Zuschüsse für Schwimmhalle, Jugendarbeit, Musikschule und Kulturhaus werden künftig knapp. Schließlich muss so ein Bauwerk ja auch unterhalten werden. Aber darauf verzichten wir ja gerne, wenn dafür unsere BUGA-Gäste nicht den 800m langen Umweg über den Kirchberg nehmen müssen. Immerhin werden in den 7 Monaten über eine halbe Million Besucher die Brücke überqueren. Außer die Behinderten müssen im Optikpark bleiben, weil weder Brücke noch Weinberg behindertengerecht gestaltet werden. Nach der BUGA haben wir dann für unsere Sprayer ein riesiges Kunstwerk. Für ein Tag (Graffiti Jargon für Signatur)  in 30m Höhe muss man sonst schon nach Berlin fahren.  

Über die Biber oder die vom aussterben bedrohten Bitterlinge, die im Feuchtbiotop Hellers Loch leben brauchen wir uns dann auch keine Gedanken mehr machen, weil die zur Baustelle anrückenden Bagger und Rammhämmer sie bis dahin vertrieben haben.

Klar werden in Stuttgart  Milliarden versenkt, bei uns sind es nur ein paar läppische Millionen, allerdings haben die Schwaben und viele Fernreisende wenigsten für die nächsten Jahrzehnte einen Nutzen von ihrem Bahnhof. Und wir, wir haben für viele Jahrzehnte einen rostigen Graffiti-Träger, der die nahenden Wassertouristen schon von Weiten begrüßt.

Ab 18.10.2010 wird im Rathaus der Bebauungsplan ausgelegt. Bleibt zu hoffen, dass viele Einwohner ihr Recht nutzen und Widerspruch einlegen.

4 Gedanken zu „Wird Rathenow 2015 zu Stuttgart 21

  1. Franzi

    Ich habe dieses ganze Theater um die Bugabrücke in der Presse verfolgt. Die geplante Brücke ist in aller Munde und löst viel Unverständnis bei uns – dem einfachen Volk – aus. Es wäre schön, wenn sich mal Jemand fände, der die Vorteile dieses Projekts einmal verständlich darstellen könnte! Denn komischerweise kenne keinen Rathenower Bürger, der den Bau dieser Millionen-Brücke tatsächlich möchte.

    Nachhaltigkeit – das ist ein Begriff, den ich oft im Zusammenhang mit der Buga und den geplanten Ausgaben höre. Nachhaltig ist dieses Projekt ja tatsächlich. Das kann man in der Tat nicht abstreiten. Nachhaltig, weil für nachhaltige Projekte wahrscheinlich nicht ein Cent übrig bleiben wird. Was wird denn nachhaltig für die Innenstadt im Zuge der Buga investiert?… Wahrscheinlich nicht ein Cent!… Wenn Weinberg und Optikpark mit einer Brücke verbunden werden, braucht es ja auch keiner Innenstadtverschönerung. Dann wird sich ja alles im Bugapark abspielen und kein Besucher verirrt sich dann mehr in unsere Innenstadt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das im Interesse unserer Rathenower Händler und Gastwirte ist.

    Wo wird noch Geld gespart? An unseren Kindern! Darüber bin ich persönlich besonders traurig, da ich selbst Mutter von drei Kindern bin. Wenn ich mir vorstelle, dass für unsere Kinder und Jugendlichen noch weniger Geld vorhanden sein wird, dann frage ich mich, ob diejenigen, die derartige Entscheidungen treffen, keine Kinder haben oder sogar keine Kinder mögen.
    Jedes Mal, wenn ich mit meiner Familie auf dem Weinberg spazieren gehe und den gesperrten und zugewucherten Steg, der einst für die Laga gebaut wurde, sehe, dann frage ich mich, ob der Millionen Buga-Brücke nicht das gleiche Schicksal droht, weil es vielleicht irgendwann zu teuer sein wird diese zu warten oder zu reparieren.

    Liebe Abgeordnete! Denkt doch einfach mal an Eure Bürger, an die Menschen, die euch einst gewählt haben. Fragt Euch doch mal, ob es das ist, was die Rathenower wirklich wollen!

  2. schnuppe

    Immerhin haben zwei Volksvertreter den mumm gehabt, sich gegen das Projekt „Brücke BUGA 2015“ zu stellen.
    Sie haben Weitsicht und Sachkenntnis bewiesen dass- egal welcher Parteizugehörigkeit- dies nicht zum Nutzen der Bevölkerung- sondern nur dekadenten Beamten und einzelnen Nutznießern dient….

  3. schnuppe

    BUGA –BRÜCKE schon jetzt ein Finanz Desaster
    Die BUGA Planungen werden zum Finanz Desaster nicht nur für Rathenow
    Folgende Kritikpunkte wurden von Stadtverordneten und Verantwortlichen einfach ignoriert:
    – Investitionensbedarf für BUGA, Brückenbau und vorhandene Rücklagen
    wurden von zu optimistischen Zahlen ausgegangen obwohl darauf hingewiesen worden ist dass Rücklagen und Zuschüsse geringer sind.
    – Eigentumsverhältnisse waren nicht geklärt.
    – Kritik an neuen Geschäftsführer „Marketingexperte“ der Bundesgartenschau um „geschönte“ Besucherzahlen.

  4. tomtom

    Wenn man so die Stadt-Verwalter beobachtet und deren „Spendierhosen“ wenn es um Allerweltsdinge wie Reparaturen an öffentlichem Strassenland geht weiß man wo der Hase langläuft: Sparen, sparen, sparen was das Zeug hält.

    Ich warte mit Entsetzen auf den Winter, Schnee und Eis. War es beim letzten Mal schon Chaos wird es wohl diesjahr noch einmal getoppt – sparen, sparen, sparen.

    Beim Gehweg nach Göttlin scheint die Stadtverwaltung sich auch elegant aus der Affäre zu ziehen in dem sie die Zuschüsse für sich einstreicht und den Rest der Kosten den Anwohnern aufbürdet. Steht so in der Satzung – und wenn es nicht reicht, werden die Prozente der Anteile eben hochgeschraubt; bis auf 90%.

    Aber, dafür bekommen wir eine schweinegeile Brücke. Es werden Millionen, ach was rede ich Milliarden von Menschen in die Weltstadt Rathenow kommen und die Stadtkassen mit Steuereinnahmen füllen. Oder irre ich mich da?

    PS: Fragt mal in Berlin jemanden auf dem Ku’damm wo Rathenow liegt. Polen, Tschechien, Bayern oder wo?

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