Gehweg von/nach Göttlin – Abzocke für Rathenows Prestige?

Vor längerer Zeit im Rathaus beschlossen wird es nun ernst – mit dem Gehweg durch Rathenow/West bis nach Göttlin.

„Betroffen“ sein wird die Göttliner Straße und Göttliner Chaussee und zwar auf der westlichen Seite. Um die 160 cm breit soll er sein, der legendäre Gehweg und ein paar Kilometer lang.

Und nun kommen die Fragen der Anwohner aus den beiden Strassen, denn die müssen den Gehweg teuer bezahlen.

Wer will den haben?

Auf der Bürgerversammlung waren die positiven Meinungen nicht zu hören. Nur Tumult über die Art und Weise wie der Gehweg entschieden und geplant wurde und wie die Kosten nachher verteilt werden sollen. Also die Anwohner wollen den Gehweg wohl nicht so gerne und meckern nur rum. Ja wer will ihn denn nun? Die Göttliner!, so der Ortsvorsteher von Göttlin (wenn ich das recht mitbekommen habe). Die haben über eine Bürgerinitiative 1.000 Unterschriften gesammelt und im Rathaus Druck gemacht. Das sind natürlich nicht nur 1.000 Göttliner, sonder Hinz und Kunz die zufällig beim Sammeln der Unterschriften in der Nähe waren und, so lange es nichts kostet, hier geschrien haben. Geschickter Weise haben sich die Entscheider zum Thema „Gehweg nach Göttlin“ aus der Debatte rausgehalten – sie waren einfach nicht dabei.

Und wer zahlt das alles?

Kosten soll der Spass eine halbe Mio. Euro. Ein Teil wird über Fördermittel gedeckelt, die streicht aber die Stadt ein. Einen Teil muss die Stadt zahlen und, so schätze ich das mal ein, den Bärenanteil die Anwohner. Göttliner Straße zahlt 50% (die haben einen Trampelpfad) und Göttliner Chaussee 90% (die haben keinen Trampelpfad) der Kosten. Entschieden per „Order Mufti“nach dem Gesetz „Pi mal Daumen“.

Fazit.

Diejenigen die den Gehweg nicht wirklich haben wollen müssen wohl am meisten dafür aufbringen. Pech, aber zu einer Prachtstrasse in einer Weltmetropole wie Rathenow gehört eben auch ein Gehweg. Nutzen werden ihn am meisten die Rad-Wanderer die ins Umland und an die Havel wollen – kostenlos incl. Wartung und Winterdienst. Früher hatten die Städte und Gemeinden für ihre Imageaufbesserungen selber gesorgt und nicht selektiv eine handvoll Bürger, die sich kaum wehren können, abgezockt. Aber mal ganz unter uns: Da die Fußgänger und Radfahrer von der Fahrbahn verschwinden, können die Autofahrer endlich auch in Rathenow gefahrlos 80 – 100 km/h fahren. So hat jeder was davon.

Nachtrag.

Wie gerade der aktuellen Presse (online) zu entnehmen war, ist der Verbund der „Hochherrschaftlichen“ aus dem Rathaus von der Idee einen etwas billigeren Gehweg zu bauen nicht sonderlich angetan. Angeblich kosten beide Ausführungen (rote Steine, Asphalt) gleich viel.

Noch spannender war die Einlassung, dass „viele“ den Weg haben wollen – aus Göttlin (hört, hört) und aus Rathenow/West (wer?).  Wenn Göttlin den Weg will, soll es ihn doch bitte auch bezahlen. Und was nicht vergessen werden sollte: Es soll ein Gehweg sein auf dem auch Radfahrer als Sekundärnutzer fahren dürfen. Wer ist bitte so bekloppt und latscht von der Genthiner Straße/Göttliner Straße nach Göttlin zu Fuß? Also doch ein Radweg?