Ein Sonntagsspaziergang

Gestern – es war Sonntag und herrliches Wetter – rief die Natur nach mir und so machte ich mich auf den Weg zum Wolzensee. Ich wollte mir das neu gebaute Blockhaus anschauen und dann entspannt spazierengehen und das schöne Wetter genießen.

So weit, so gut. Am Wolzensee angekommen vernahm ich ein nicht zu überhörendes „Bumm-Bumm-Bumm“. Es klang nach überlauter Musik – insofern man das noch so nennen kann – aus dem Auto eines jugendlichen Fahrers. Es ging soweit, dass dieses „Gehämmere“ wirklich an jedem Fleck des Wolzensee-Geländes zu hören war. Selbst ganz vorn am Vogelgesang.

Auf meiner weiteren Spaziertour entdeckte ich die Lärmquelle. Es handelte sich tatsächlich um Musik (ich sträube mich, das so zu nennen) aus einem Auto. Dieses war am Ufer des Sees geparkt – wohlgemerkt in einer Zone des absoluten Verkehrsverbots – und Türen sowie Kofferraum standen offen, damit auch wirklich jeder in den „Genuss“ der Rummelbeschallung kommen konnte. Ein paar Meter weiter auf einer Bank und drumherum saßen seelenruhig 5 Jugendliche und scherten sich einen Dreck feuchten Kehricht um die langen Gesichter der Spaziergänger. Jene gingen sichtlich pikiert vorbei, jedoch keiner sagte etwas oder handelte irgendwie. Ich auch nicht. Warum auch? Blöde Antworten kann ich mir selber geben und eventuell tätlich angegriffen zu werden, geht mir auch zu weit.

Also blieb alles so, wie’s war…

Mal ehrlich, ich habe mich am meisten über mich selber geärgert. Darüber, dass ich nicht den Mumm hatte, die 5 Pappnasen Jugendlichen anzusprechen und die Konfrontation eingegangen bin. Aber mein Hauptproblem liegt wohl darin, dass ich es einfach nicht verstehen kann, wie man so asozial rücksichtslos sein kann, den Menschen auf einem riesengroßen Gelände so dermaßen den Nachmittag zu versauen und einfach keinen Sinn für das Schöne und Beschauliche haben kann.

Prost Mahlzeit.

3 Gedanken zu „Ein Sonntagsspaziergang

  1. schnuppe

    „Alt“ meckert auf „Jung“ . Der Generationenkonflikt eskaliert…. Die Welt ist einfach zu klein für Naturfreunde, die Sinn für das Schöne und Beschauliche- aber kein Verständnis für Andersdenkende haben. Die Zeit ist nicht mehr schön. Früher war alles besser. Da war alles ruhig und ohne Lärm…………

    Da fällt mir doch ein Lied von den Ärzten ein:

    Junge, warum hast du nichts gelernt? Guck dir den Dieter an, der hat sogar ein Auto. Warum gehst du nicht zu Onkel Werner in die Werkstatt? Der gibt dir ne Festanstellung, wenn du ihn darum bittest.
    Und wie du wieder aussiehst, Löcher in der Hose und ständig dieser Lärm. Was solln die Nachbarn sagen?
    Und dann noch deine Haare, da fehlen mir die Worte
    Musst du die denn färben? Was solln die Nachbarn sagen?
    Wie kommst du nach Hause, wir wissen nicht mehr weiter
    Junge, brich deiner Mutter nicht das Herz.
    Es ist noch nicht zu spät, dich an der Uni einzuschreiben
    Du hast dich doch früher so für Tiere interessiert, wäre das nichts für dich, eine eigene Praxis?
    Junge…
    Und wie du wieder aussiehst, Löcher in der Nase und ständig dieser Lärm
    Was solln die Nachbarn sagen?
    Elektrische Gitarren und immer diese Texte.
    Das will doch keiner hörn.
    Was solln die Nachbarn sagen?
    Wie kommst du nach Hause, soviel schlechter Umgang.
    Wir werden dich enterben.
    Was soll das Finanzamt sagen?
    Wo soll das alles enden, wir machen uns doch Sorgen.
    Und du warst so ein süßes Kind
    Und immer deine Freunde, ihr nehmt doch alle Drogen.
    Und ständig dieser Lärm.
    Was solln die Nachbarn sagen?
    Denk an deine Zukunft, denk an deine Eltern.
    Willst du dass wir sterben?

  2. Helga

    Und genau darauf haben die Krawallmacher eigentlich gewartet: Dass jemand sich über ihre Rücksichtslosigkeit äußert. Dann hätten sie die Gelegenheit genutzt, ihren gesamten Frust an diesem Kritiker abzuladen. Geändert hätte eine Äußerung garantiert nichts. Man muss ja auf irgendeine Weise Beachtung finden. Und wenn man nicht durch Leistung auf sich aufmerksam machen kann, dann eben durch Lärm, durch sinnlose Zerstörung, durch Gewaltakte. Wenn das dann noch groß verbreitet wird (Zeitung, Internet), hat „man“ doch sein Ziel erreicht und kann sich im Kreise Gleichgesinnter damit rühmen.

  3. Helga

    @ Schnuppe: Früher war ganz bestimmt nicht alles schöner. Und einen Generationenkonflikt gibt es auch schon seit Bestehen der Menschheit. Glaubt Ihr denn, die „Alten“ von damals hätten Jazz, Rock`Roll, Beat oder andere Neuerscheinungen für gut befunden? Die Mutter eines Beat-Musikers sagte mal nach einer Probe: „Dass sich Leute sowas anhören. Früher hieß es mal DRUM SINGE, WEM GESANG GEGEBEN.“ Und es gab und gibt auch immer Auseinandersetzungen um das äußere Erscheinungsbild Heranwachsender. Aber es hat sich im Laufe der Zeit doch fast immer gezeigt, dass solche „Protesthaltungen“ von ganz allein wieder verschwinden.

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