Ein Märchen am Samstag

 

Es ist Samstag am Vormittag. Das Wetter ist schön und macht Lust auf einen Spaziergang. Wo wir doch jetzt so einen schönen Gehweg vor der Tür haben wird das kein Problem denkt der Verfasser.

Also, Hunde an die Leine, Gartentor auf – der Herzschlag steigt. Jetzt gilt es ohne Schaden auf den Gehweg zu kommen. Vorbei rasende Radfahrer hätten mich (oder die Hunde) schon ein paar Mal umgenietet. Wozu langsam fahren, ist doch ein Radweg auf dem Fußgänge nichts zu suchen haben – und wenn doch ist das ihre Schuld wenn es kracht. Die Luft ist rein; es kann losgehen.

Nach ein paar Schritten schwenken wir Richtung Felder. Hier sind wir sicher. Die Hunde können toben und keine Kamikaze-Rentner mit Fahrräder bewaffnet, deren einziges Ziel es ist den Fußgängern klar zu machen, dass sie auf ihrem „Radweg“ nichts zu suchen haben, in Sicht.

Über eine Querstrasse geht es dann nach Hause. Auch ein gutes Stück auf der Göttliner Chaussee entlang Richtung Rathenow, da wo der „Radweg“ als Gehweg ausgeschildert ist. Es kommt was kommen musste. Ein Radfahre nähert sich frontal. Wozu bremsen? Ich ziehe die Hunde auf meine Seite, es ist noch knapp ein Meter Platz. Die Hunde werden unruhig. Kein Wunder wenn sich jemand mit hoher Geschwindgkeit nähert und die Hunde anvisiert. Aber es klappt – zunächst.

Irgendwie kommt der Radfahrer von Gehweg ab und rutscht ins Strassengrün, schleudert, fängt sich und fährt weiter. Nichst passiert denke ich und laufe weiter.

Am Nachmittag dann die Quittung im Briefkasten.

Herr oder Frau Anonym musste seinen Senf dazu abgeben (Zitat sinngemäß): Ich habe die Hunde nicht unter Kontrolle. Sie hätte den (armen) Radfahrer fast zu Fall gebracht. Ich habe das mit Absicht herbeigeführt. Und im Übrigen schei… meine Hunde alles voll und ich mache das nicht weg. Außerdem hat man 6.000 Euro für den Radweg bezahlt und ich soll mich da anständig auf „ihrem Teil“ benehmen. Das Ganze immer noch ein paar Mal in verschiedener Reihenfolge wiederholt (aus Frust oder Vergesslichkeit?) ergab einen zwei Seiten langen Hetzbrief in blauer Farbe. Passend zur Tonne worin er nach dem Lesen auch landete.

Frustierend daran ist nur, dass ein paar verbohrte Menschen immer noch nicht begriffen haben, dass der Streifen aus Steinen neben der Fahrbahn ein Gehweg ist. Das sagt jedesfalls ein großes, rundes, blaues Schild an einem langen Mast mit einer „Frau und einem Kind an der Hand“. Radfahrer düfen ihn benutzen, müssen aber nicht. Fußgänger haben immer Vorrang. Es gilt Schrittgeschwindigket auf der geamten Länge des Weges. Notfalls müssen Radfahrer absteigen. Das ist geltendes Recht und kann massig im Internet nachgelesen werden (Verwaltungsvorschriften zur StVO, Gerichtsurteile).

Da die Stadt Rathenow bereits in das Problem involviert war (MAZ-Artikel) und als Blabla abgetan hat, bleibt zu hoffen, dass es nicht irgendwann zu ernsthaften Unfällen mit Verletzen kommt. Ändern will sie den Zustand jedenfals nicht. Die Stadt haftet natürlich nicht wenn etwas passiert. Aber wer hat schon gerne einen gebrochenen Arm oder ein blaues Auge? Herr Remus und Herr Seeger sind fein raus; die benutzen den Gehweg wahrscheinlich nicht.