Gehweg Göttlin/Rathenow – unendliche Geschichte?

Eigentlich sollte das Thema Gehweg Göttlin/Rathenow abgegessen sein. Die Anwohner durften sich massiv an den Kosten beteiligen, ob sie wollten oder nicht und nun ist er da – der Gehweg. Wenn ich mich dunkel erinnere wollte der Ortsvorsteher von Göttlin lieber einen Radweg, damit seine Leute besser von und nach Rathenow kommen. Und nun das … ein Gehweg.

Also hat man den Gehweg kurzerhand mit einem Schild „Gehweg“ und einem Zusatzschild (Radfahrer frei) versehen. So konnte man über den Aufwand für zusätzliche Verkehrsschilder die Gesamtkosten noch einmal steigern.

Zu dumm, dass einige (und es werden immer mehr) Radfahrer der Meinung sind, dass dieser Weg – wie vom Ortsvorsteher gefordert – nun ihrer wäre und die lästigen Fußgänger endlich wieder verschwinden. Dazu radelt man dicht an den Fußgänger, klingelt wie irre und wenn der nicht schlagartig im Dreck steht, tötet man ihn mit Blicken.

Dumm nur, dass die meisten Fußgänger die Anwohner sind, die den Gehweg bezahlt haben und in Schuß halten dürfen.

Dumm nur, dass diese Fußgänger das ziemlich dumm finden, dass sie ihren eigenen Weg nicht gefahrlos benutzen dürfen. Dumm für die Omas mit Rollator, die Muttis mit Kinderwagen und andere nicht olympisch gestählte Spitzensportler, die den Salto rückwärts aus dem Stand beherrschen.

Dumm für den, der mal eben unbedacht von seinem Grundstück auf den Gehweg tritt und den vorbeidonnernden Radfahrer übersieht, der 20 cm neben dem Zaun, mit eingezogenem Kopf und Höchstgeschwindigkeit auf den stehenden Fußgänger prallt. Autsch, das treibt die Unfallstatistik endlich in die Höhe.

Dumm für den Autofahrer der von seinem Grundstück über den „Radweg“ muss. Trotz ultimativem Schneckentempo, einem Fuß auf der Kupplung und einen Fuß auf der Bremse – Radfahrer rauschen immer mit leichtem Bogen hinter dem Auto vorbei; zehnter Gang drinne, Kopf nach unten und grimmig verzerrtes Gesicht.

Meine Prognose, auch aus eigener Erfahrung: Im Frühjahr, Sommer und Herbst wird es richtig heftig. Wenn nicht mehr ein Radfahrer gegen einen Fußgänger antritt, sondern ganze Horden von Radfahrern auf einen Fußgänger zuhalten (Betriebsausflüge?).

Im Zweifel hat der Fußgänger zwar Recht, denn das Schild „Radfahrer frei“ besagt nur, dass Radfahrer den Weg mit Schrittgeschwindigkeit beutzen dürfen und Fußgänger nicht verjagen, erschrecken, mit Blicken töten oder gar verprügeln dürfen. Was nützt ihm aber „Recht“ wenn er mit einem blauen Auge auf der Polizeiwache sitzt, zehn Radfahrer die Hand heben und im Chor singen „… der hat angefangen“.

Mein Fazit: Am besten wäre wenn das Schild „Radfahrer frei“ verschwindet. Damit ist auch für Radfahrer die Lage eindeutig und einfach zu durchschauen und wir Fußgänger müssen uns nur vor den letzten Querdenkern in acht nehmen, die sowieso immer auf dem Gehweg fahren.

Die zweite Wahl wäre, sich als Fußgänger mit mehreren Hunden, Baseballschläger und Reizgas zu bewaffnen. Die warme Saison und die Rad-Kohorten kommen garatiert.

Nachtrag vom Wochenende:

Ich will mit dem Auto weg und stehe für ein paar Sekunden auf dem Gehweg. Tor zumachen, fließenden Verkehr durchlassen und dann weg. So der Plan und hätte 15 Sekunden gedauert. Kommt ein älterer „Herr“ und eine Frau auf dem Gehweg angeradelt und pammt sofort los. „Wie sollen wir denn hier vorbei kommen? Verschwinden Sie sofort vom Radweg!“. Bis dahin hatte ich noch kein Wort gesagt. Mein folgender Einwand, dass auf der Fahrbahn hinter mir alles frei sei und das hier ein Fußgängerweg sei, wurde mit verbalen Drohungen (Polizei, Ordnungsamt, etc.) beantwortet. Dann strebte der „Herr“ auf mein Auto zu – weg kam ich ja nicht, denn man musste mit mir diskutieren und ich sah schon die Beule im Kotflügel, nur weil ich nicht sofort gekuscht habe. Jetzt liegt ein Baseballschläger neben dem Fahrersitz im Auto. Ich hatte nicht gedacht, dass man sich in Rathenow zur Selbstverteidigung bewaffnen muss.