Kunsthandwerk im Havelland

Private Handwerksbetriebe gab es zu DDR-Zeiten nur noch sehr wenige. Allerdings entstanden mit dem Ende der 70-er und Beginn der 80-er Jahre oft aus verschiedenen Volkskunstgruppen dann einzelne Kunsthandwerksbetriebe. Die Produkte waren heiß begehrt, weil es sich um solide Handarbeiten handelte. Andererseits hatten die Leute mehr Geld in der Tasche, um sich auch solche Sachen kaufen zu können. Außerdem durfte man Kunsthandwerksartikel in den „Westen“ schicken. Das war für viele die einzige Möglichkeit, sich bei den Verwandten für Weihnachtspakete zu revanchieren. Ob sie bei den Empfängern tatsächlich willkommen waren, bleibt fragwürdig, denn sie konnten ja diese Artikel jederzeit made in china selbst sehr billig erwerben. Die Empfänger ahnten sicher nicht, dass die Spender für diese Waren sehr tief ins Portmonee greifen mussten und dafür oft stundenlanges Schlangestehen in Kauf nahmen. Bei den meisten Kunsthandwerkern war es so, dass sie einmal wöchentlich, manche auch monatlich, ihre Waren zum Kauf anboten. Dann fanden sich natürlich viele Kaufinteressierte ein. So gab es etwa zur Wende in Rathenow zwei Korbmacher, mehrere Keramiker/innen, mehrere Drechsler bzw. Holzschnitzer, einen Glasbläser und verschiedene andere Kunsthandwerker. Einige davon existieren heute noch, andere konnten sich nicht behaupten, da sie gegen die Produkte aus Fernost nicht ankamen. Außerdem waren ja durch die gestiegenen Lebenshaltungskosten und die hohe Arbeitslosigkeit die Leute kaum noch in der Lage, solche Artikel zu kaufen.