Was ist eigentlich …. der „Tag von Rathenow“?

schwedentagDer Tag von Rathenow … – gehört hat man davon schon, doch was verbirgt sich noch einmal gleich dahinter? Selbst googeln nutzt da nicht viel: Tag der Demokraten, nein, das muss etwas anderes sein. Das Buch von einem Autoren mit dem merkwürdigen Namen Wilhelm Kotzde … schon eher. Nach einer Weile die Information, dass einige heimatliebende Bürger der Stadt Rathenow zur 250jährigen Wiederkehr des „Tag von Rathenows“ eine Gedenkmünze prägten: Auflage 25 Stück. Was hat es mit diesem Tag auf sich?

Der Tag von Rathenow ist wohl etwas in Vergessenheit geraten. In früheren Zeiten, als „historische Eckdaten“ viel stärker zur Schulbildung gehörten als heute, war dieses Ereignis wesentlich mehr Personen geläufig. Es bezeichnet die Befreiung Rathenows von den Schweden im Dreißigjährigen Krieg. Am 15. Juni 1675 war es, als der Große Kurfürst die Besatzungszeit mit einer Befreiungsaktion beendete und gleichzeitig auch eine Wende im Kriegsgeschehen einleitete. Denn die Befreiung Rathenows gilt als Vorbereitung der – heute wesentlich bekannteren – Schlacht von Fehrbellin. In den Denkwürdigkeiten der churmärkischen Stadt Rathenow von Samuel Christoph Wagener aus dem Jahre 1803 heißt es dazu:

Friedrich Wilhelm’s des Großen Sieg über die Schweden bei Fehrbellin, im Jahre 1675, war in seiner Art einzig. Er rettete im eigentlichsten Sinne das Vaterland, und bildete gleichsam die erste Stufe der Hoheit und des Glanzes, zu welchem das Chur-Haus, besonders von diesem Zeitpunkte an, sich emporschwang. Dieser Sieg würde indessen schwerlich erfolgt seyn, wenn nicht drei Tag zuvor dem ChurFürsten die merkwürdige Überrumpelung und Aufhebung des Schwedischen Dragoner-Regiments Wangelin, in der Stadt Rathenow, fast beispiellos vollständig, gelungen wäre. Der 15te Junius bleibt daher den Rathenower, wie jedem ChurMärker, ein unvergeßlicher Tag; denn dieser Tag, verbunden mit dem Fehrbellinschen SchlachtTage (dem 18. Junius), entschied über das Wohl des gemißhandelten VaterLandes und befreite dasselbe urplötzlich und innerhalb dreier Tage gänzlich von einer feindlichen Armee, welche sich in jedem Betrachte als eine muthwillige RäuberBande charakterisirt hatte.

Es entbehrt nicht einer gewissen Tragik: Nun endlich, in diesem Jahr wollte man die Bedeutung des 15. Juni nun endlich wieder ins rechte Licht rücken. Mit einem großen historischen Spektakel sollte der „Schwedentag“ gefeiert werden. Die Presse kündigte an, eine eigene Homepage  stand bereit, das Jubiläumsbuch war fertig. Doch die Flut-Ereignisse machten alles zunichte. Die freiwilligen Helfer wurden an wichtigerer Stelle gebraucht, das Fest wurde verschoben, aufs nächste Jahr.

Gut, wir warten. Aber dann vielleicht besser auf den „Tag von Rathenow“?