Der Abriss geht weiter

In Rathenow kann sich kein Jugendlicher mehr vorstellen, dass es noch gar nicht lange her ist, dass bei der Stadtverwaltung ein Wohnungsamt existierte. In dessen Karteien waren sämtliche Wohnungen der Stadt erfasst. Hatte jemand die Absicht umzuziehen, musste er einen Antrag stellen und diesen auch begründen. Dann wurde vom Amt geprüft, ob eine entsprechende Wohnung zur Verfügung stand. So hatten Familien mit einem Kind unter zehn Jahren nur Anspruch auf eine Zweiraumwohnung. Erst zwei Kinder berechtigten den Antrag auf eine Zweieinhalb-Zimmer-Wohnung. Das heißt aber noch nicht, dass man sie dann auch bekam. Und größere Wohnungen waren noch weniger vorhanden. Wir wohnten mehr als fünf Jahre mit fünf Personen in einer Zweieinhalb-Zimmer-Wohnung (Plattenbau mit Ofenheizung), bevor wir in eine größere umziehen konnten. Das fällt mir jetzt ein, wenn ich durch die Stadt gehe und sehe, dass Wohnblöcke im großen Maße abgerissen werden, die noch keine dreißig Jahre alt sind. Oder wenn ich an die optisch sehr schönen Gründerzeithäuser in der Goethestraße denke, die im vergangenen Sommer plattgemacht wurden. Nun ist ein großer Teil von Rathenow-Ost dran, ebenso das Karree Perleberger, Spandauer, Havelberger und Potsdamer Straße. Und mit diesem Abriss haben wir immer noch viele leere Wohnungen im gesamten Stadtgebiet. Es ist einfach unvorstellbar.