Am Ferchesarer Weg, wo sich einst der Übungsplatz unserer sowjetischen Freunde befand, breitet sich der Wald wieder aus. Birken, Kiefern und Pappeln erobern ihr Revier zurück. Die Ruinen des “Potjomkinschen Dorfes” sind kaum noch zu sehen.
Auch in Rathenow-Ost wird es in ein paar Jahren so aussehen, wenn man der Natur ihren Lauf lässt. Ende der 60er Jahre war damit begonnen worden, den neuen Plattenbau-Stadtteil in das gerodete Waldgebiet zu bauen. Inzwischen haben die Abrissbagger so manchen Wohnblock restlos verschwinden lassen und etliche werden noch folgen. Und geht man durch Rathenow, fallen einem an allen Ecken und Enden leerstehende Häuser und Wohnungen auf. Es ist doch beängstigend, wenn man sich die weitere Entwicklung vostellt. Wo sind alle die Menschen geblieben, die mal hier gelebt und gearbeitet haben? Wie heißt es in einem Witz, über den man angesichts der Realität nicht mehr lachen kann: Der Letzte schaltet das Licht aus.
Autoren gesucht - jetzt mitbloggen über deine Stadt!
Die Stadt Rathenow hat einen chronisch kranken “Patienten” oder eine Baustelle mit ständiger Flickschusterei am Hals – die Jederitzer Brücke. Als sie erbaut wurde, fuhren jeden Tag eine Handvoll Fuhrwerke über diese Brücke und ein paar Last- oder Fischerkähne darunter durch.
Dem modernen Fahrzeugverkehr ist sie längst nicht mehr gewachsen. Deshalb galt und gilt hier schon lange eine Begrenzung der Höchstlast. Anfang der 90er Jahre wurde das denkmalgeschützte Objekt rekonstruiert mit viel Aufwand und mit Kosten, die weit über dem Kostenvoranschlag lagen. Zuerst wurden Tropenhölzer für den Fahrbahnbelag verbaut, diese mussten wieder aufgenommen werden. Dann hielten die einheimischen Hölzer den Belastungen nicht stand. Also wurden doch die Tropenhölzer, da sie nun mal da waren, verbaut. Seit geraumer Zeit haben sich in dem Belag schöne Buckel und Wellen gebildet. Offenbar läuft das Regenwasser nicht richtig ab und die Hölzer quellen auf. Durch die dauernde Feuchtigkeit ist auch die stählerne Unterkonstruktion bereits stark vom Rost befallen. So gilt nun nicht mehr nur die Beschränkung der Belastung, auch die Fahrbahn wurde erneut eingeengt.
Preiswerter wäre wohl eine dauerhafte Lösung des Problems mit einer neuen Brücke, die den Anforderungen des heutigen Verkehrs entspricht. Dieser jammervolle Anblick, den das Bauwerk in den zurückliegenden Jahrzehnten bot, hat doch wohl nichts mehr mit Denkmalschutz zu tun.


Artikel kommentieren »