Rathenow-Blog: Das Weblog von Rathenowern für Rathenower

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Mo
23
Jun '08

Frau Harke zur Pendlerpauschale

Früher konnten die Leute, die einen Weg zur noch vorhandenen Arbeit zurücklegen mussten, am Jahresende abrechnen, wie viele Kilometer für dieses Privileg zusammengekommen waren. Dafür mussten sie dann weniger Steuern bezahlen. Dann kam aber ein kluger Mensch in der Regierung auf die Idee, wer wirklich arbeiten will, der fährt auch, wenn er kein Geld zurückbekommt. Und weil es tatsächlich noch klappt, wird demnächst auf diese Fahrten Vergnügungssteuer erhoben werden. Wer hat schließlich noch das Vergnügen, in regelmäßigen Abständen durch unsere blühenden Landschaften zu fahren?
Passt gut auf, rät Frau Harke

Schriftwechsel mit der Agentur

Frau Harke kennt nämlich jemanden, der es tatsächlich gewagt hat, die Agentur für Arbeit auf eine konkrete Maßnahme anzusprechen. Zunächst einmal hatte diese Person an die Amtsleiterin persönlich geschrieben. Da die Amtsleiterin aber das Amt leiten muss und sich nicht um irgendeinen mickrigen Arbeitslosen kümmern kann, hat sie diesen Brief einem anderen im Amt gegeben und dieser hat ihn noch ein Stückchen weiter nach unten gereicht. Aber schließlich blieb er doch auf einem Schreibtisch liegen. Und weil ihn nun schon so viele im Amt gelesen hatten, konnte der “Bearbeiter” ihn nicht mehr einfach in den Papierkorb werfen. Er musste sich eine Antwort einfallen lassen. Und damit hatte er dann ein echtes Problem am Hals. Er konnte ja nicht sagen, dass die Agentur gar keine Arbeitslosen vermitteln will, um dann selbst arbeitslose Mitarbeiter zu haben. Also schrieb er, dass er einen Termin beim Rathenower Vermittler vereinbart hätte und dieses Gespräch am 17. Juni stattgefunden hätte. Da kann man mal sehen, dass die in der Agentur sogar hellseherische Fähigkeiten haben. Der Termin mit dem Rathenower Vermittler war nämlich schon am 15. April festgelegt worden. Der Brief an die Neuruppiner Agentur wurde aber erst am 2. Juni geschrieben. Und bei diesem Termin sei dann auch ein Suchlauf im Internet erfolgt. Die betreffende Person ist zwar nicht mehr ganz jung, aber mit dem Internet kommt sie auch ohne Arbeitsvermittler zurecht. Und da der Vermittler nichts fand, womit er dienen konnte, wurde gesagt, es läge an der Mobilität der Person. Irgendwas muss doch schließlich als Begründung herhalten. Allen kann man nun nicht sagen, dass sie zu doof oder zu faul zum Arbeiten wären. Das fällt ja dann auf. Frau Harke hat der Person nun geraten, noch mal einen Brief an die Agentur zu schreiben. Auf die Antwort sind wir dann echt gespannt.

Agentur für Arbeit und die Statistik

Am Anfang wurden alle Arbeitslosen umgeschult. Der Tischler wurde Bäcker, der Bäcker Elektriker und der Elektriker Tischler, obwohl keine freien Arbeitsplätze vorhanden waren. Damit konnte aber die Agentur melden, dass die Arbeitslosen fast alle beschäftigt wären. Das sieht dann für die monatliche Meldung viel besser aus, als wenn man zugeben müsste, dass so viele keine bezahlte Arbeit haben. Inzwischen haben leider zu viele Leute diesen Trick durchschaut. Also muss man sich wieder etwas anderes einfallen lassen.
Darum gab es in Rathenow ein Projekt Jumper (Jugend mit Perspektive). Dabei mussten die jungen Leute bei Bildungsträgern ein wenig mit dem Computer umgehen lernen (konnten aber die meisten schon, weil sie mit ihm aufgewachsen sind). Dann mussten sie sich einen Betrieb suchen, in dem sie ein Praktikum machen konnten. So lange sie ein Praktikum machten (also umsonst arbeiteten), ging alles gut. Sollten dann Arbeitsverträge geschrieben werden, war der Bedarf plötzlich nicht mehr da, Deshalb wird auch dieses Projekt gestrichen. Jugend hat bei uns eben keine Perspektive. Aber für die bereits erwähnte Statistik war es vorteilhaft. Nun gibt es noch Maßnahmen für ältere Langzeitarbeitslose. Da stand bereits mehrmals in der Zeitung, dass für diese Leute besondere Arbeitsplätze geschaffen werden. Das steht aber bloß in der Zeitung. In Wirklichkeit gibt es das gar nicht. Das schreiben sie nur, um die Alten, die ja laut Gesetz bis zum Umfallen, aber mindestens bis 65 arbeiten sollen, nicht mehr mitzählen müssen. Ist einfach gut für die Statistik.

Frau Harke und die Agentur für Arbeit

Frau Harke überlegt ernsthaft, warum diese Einrichtung Agentur für Arbeit heißt. Aber dann kam ihr die Einsicht: Bei der Benennung wurde gefragt, wer dafür und wer dagegen sei. Natürlich waren alle dafür. Warum sollten sie auch dagegen sein? Also stand schon mal der Name fest. Leider kennt Frau Harke niemanden, der von der Agentur Arbeit bekommen hätte. Ist aber auch logisch: Wenn sie allen Arbeit beschaffen würden, wären sie ja selbst arbeitslos. Das geht ja nun wirklich nicht.

Frau Harke

cimg1604.JPG
Frau Harke ist die Schutzpatronin des Havellandes. Diese Skulptur steht im benachbarten Kamern, in Sachsen-Anhalt. Ab sofort wird sich Frau Harke in unregelmäßigen Abständen hier an dieser Stelle zu Wort melden. Manchmal ist es einfach nötig, anderen zu zeigen, was eine Harke ist. Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind nicht zufällig und nicht unbeabsichtigt.