Das waren noch Zeiten, 3. Teil

Wie schon einmal berichtet, gab es beim Rat der Stadt ein Amt extra für die Vergabe von Wohnungen. Und dort wurde genau überwacht, wer überhaupt Anspruch auf eine Wohnung hatte. Unverheiratete hatten so gut wie keine Chance. Mit einem Kind unter zehn Jahren stand der Familie nur eine Zweiraumwohnung zu. Erst mit einem älteren oder mit zwei Kindern konnte man auf eine Zweieinhalb-Zimmer-Wohnung hoffen. Wir hatten das große Glück, 1976 sechs Wochen vor der Geburt unseres zweiten Kindes eine solche neue Plattenbauwohnung mit Ofenheizung beziehen zu dürfen, nachdem wir drei Jahre in einem ehemaligen Stallgebäude in eineinhalb Zimmern ohne Bad gewohnt hatten. Frohgemut gingen wir im Frühjahr 1976 zum VEB Baustoffhandel (ehemals und jetzt wieder Fürstenberg ) und meldeten uns für neun Quadratmeter Fliesen für unser neues Bad an. Das hatte nur einen Sockel mit Ölfarbe, wie fast alle Bäder in Neubauwohnungen. Bei der Anmeldung wurde uns gesagt, dass wir etwa zwei Jahre warten müssten. Na ja, das war man ja gewohnt. Allerdings wurden sechs Jahre daraus. Erst kurz vor Ostern 1982 konnten wir die Fliesen beim Baustoffhandel kaufen und hatten sogar noch großes Glück dabei, dass sie einheitlich waren. Manche Leute bekamen bei der Menge zwei unterschiedliche Positionen und versuchten dann, untereinander zu tauschen.