Die Wiege der optischen Industrie stand in Rathenow

Schon vor dem Jahre 1800 wurden in Deutschland optische Erzeugnisse hergestellt. Besonders in Süddeutschland – in Nürnberg, Augsburg und Regensburg entwickelte sich das Gewerbe zu bedeutender Blüte. Es waren Werkstätten, die in handwerklicher Produktion einfachste Brillen anfertigten, die dann von Hausierern und Trödlern vertrieben wurden. Vermutlich stifteten sie mehr Schaden als dass sie Nutzen erbrachten. Dieser Nürnberger Fabrikation entstand eine bedeutende Konkurrenz durch die Schöpfung des Rathenower Pfarrers Johann Heinrich August Duncker, der mit Unterstützung des Garnisonspfarrers Wagener im Jahre 1800 eine optische Industrieanstalt im Dachgeschoss seines Pfarrhauses einrichtete und damit den Grundstein legte für die Entwicklung der gesamten optischen Industrie in Deutschland. Duncker hatte sich bereits Ende der 80er Jahre des 18. Jahrhunderts mit der Herstellung von Mikroskopen befasst. Er war der erste, der wissenschaftliche Grundsätze für die Fabrikation von Brillengläsern einbrachte. Durch seine Vielschleifmaschine, die er selbst konstruierte, wurde seine Produktion von der reinen Handarbeit zur industriellen Fertigung. Duncker gelang es infolge seiner wissenschaftlichen Einstellung und seiner technischen Begabung, die grundlegenden Erfordernisse der optischen Industrie – Wissenschaftlichkeit und Wirtschaftlichkeit – zu vereinigen. Dadurch konnte er die Nürnberger Betriebe bald überflügeln. Durch den rasch ansteigenden Absatz konnte er in vielen Städten Niederlassungen und Vertretungen einrichten. Johann Heinrich August Duncker schuf die Grundlage dafür, dass die deutsche optische Industrie zu einer Weltindustrie wurde.
Aus dem Buch Rathenow -Zur Förderung des Fremdenverkehrs und zur Pflege der Heimatliebe, herausgegeben von Kurt Woite 1933 Reprint zum 775. Stadtjubiläum 1991