Es schneit, es schneit

Ewig wurde lamentiert über die Klimaerwärmung. Nun schneit es mal wieder richtig, schon wird vor einer Katastrophe gewarnt. Bis vor etwas über zwanzig Jahren waren alle Winter so wie der diesjährige. Die Menschen waren daran gewöhnt und nahmen ihn als selbstverständlich hin. Heute haben fast alle pflegeleichte, wärmende Kleidung, warme Winterschuhe, eine gut isolierte Wohnung mit Thermofenstern und moderner Heizung und trotzdem bricht fast Hysterie aus, wenn es mal kräftig schneit. Man kann den Schlitten rausholen, falls er noch nicht auf dem Sperrmüll gelandet ist und rodeln gehen. Ein geeigneter Hügel dafür findet sich bestimmt. Oder man geht mal wieder in die Rathenower Schwimmhalle.
cimg4978.JPG
Heute Nachmittag waren nicht viele Badegäste dort. Besonders die Kinder genossen das warme Wasser.
cimg4969.JPG
Einen Teil des großen Beckens nutzten die Wasserballspieler für ihr Training.
cimg4975.JPG

3 Gedanken zu „Es schneit, es schneit

  1. tomtom

    Liebe Helga.

    Sicher hast Du recht wenn Du sagst, dass vor 20 Jahren soviel Schnee normal und nicht „katastrophal“ war. Vor 20 Jahren fuhr aber auch keiner 80 km zur Arbeit oder musste sich berufsbedingt an ausfallenden Eisenbahnen ärgern.

    Der Kaufmann im Dorf hatte alles und war meist gut zu Fuß zu erreichen. Heute gibt es den Kaufmann nicht mehr und man muss mit dem Auto Unmengen von weit her transportieren – mit dem Auto.

    Familien wohnen auch nicht mehr am selben Ort, sodass der Besuch über einige Kilometer mit dem Auto geht.

    Will sagen, die Katastrophe steckt nicht vor der Haustür von denen die nicht weg müssen, sondern bei den armen Leuten die wegmüssen und dann stecken bleiben.

  2. Helga Artikelautor

    Hallo Tomtom, du hast Recht, wenn du sagst, dass es für die Leute, die täglich mit dem Auto sehr weit fahren müssen, eine Katastrophe sein kann. Wir sollten trotzdem nicht vergessen, dass wir schon alle sehr bequem geworden sind und viele Leute oft ganz unnötig das Auto benutzen. Als noch nicht jeder einen fahrbaren Untersatz hatte, ging es doch auch. Ich bin in einem kleinen Dorf in der Uckermark aufgewachsen. Wir mussten jeden Morgen fünf Kilometer mit dem Zug zur Schule fahren. Der Zug, gezogen von einer Dampflok, fuhr sehr zuverlässig jeden Morgen um 6.15 Uhr Richtung Klockow. Bei Schneeverwehungen, die in dieser flachen Landschaft regelmäßig vorkamen, hatte die Lok vorn ein Schiebeschild dran. Die Dörfer in dieser Gegend bekamen erst Mitte der 70er Jahre eine zentrale Wasserversorgung. Bis dahin mussten wir jeden Eimer Wasser für Mensch und Tiere mehr als 400 m weit von der Pumpe, später vom Kuhstall ranschleppen. Die Wäsche wurde im Waschzuber gewaschen. Die Textilien waren aus Wolle oder Baumwolle und brauchten im Winter oft eine Woche und länger, ehe sie trocken waren.Bei Schneesturm rissen oft die Freileitungen, sodass Wintertage und -abende ohne Strom fast eine Selbstverständlichkeit waren. Holz und Kohlen für Kachelofen und Herd mussten reingeholt und die Asche rausgebracht werden. Bei uns im Dorf liefen die meisten Kinder auch im Winter in Gummistiefeln und trotz mehrerer Paar Socken hatten viele Frostbeulen an den Füßen. Und die Winter 1961/62 und 1962/63 sind mir mit Temperaturen weit unter -20°C in Erinnerung geblieben.
    Das waren meine Gedanken, als ich die Nachrichten verfolgte und von jedem Reporter das Wort „Winterkatastrophe“ oder „Schneechaos“ gebraucht wurde.

  3. tomtom

    Hallo Helga.

    Wie sich die Zeiten ändern 🙂

    Unsere Sicht der Dinge hat sich eben geändert. Und die Presse sorgt schon dafür.

    „Schneeprobleme“ interessieren keine. „Schneechaos“ und „Schneekatastrophe“ klingen ultimativer – obwohl es eben nur ein „Schneeproblem“ ist.

    Zum Glück wissen wir beide was gemeint ist.

    Gruß Tom.

    PS: Ich finde die Uckermark auch heute noch urig. Falkenhagen ist immer noch ein Dorf in dem Nachts die Gehwege hochgeklappt werden. Wer weiß wie es da jetzt aussieht.

Kommentare sind geschlossen.