Die Bahn, die Bahn – und nichts wird besser

Wer regelmässig mit der Regionalbahn (DB-Regio, RE2) nach und von Berlin pendelt kennt das Problem zur Genüge: Die Bahn ist selten pünktlich, übervoll und teilweise dreckig.

Früher hat der Winter der Bahn in aller Regelmässigkeit das Genick gebrochen (Weichen eingefroren, kaputte Züge) oder dreiste Kabeldiebe haben der Bahn Kummer und Sorgen gemacht. Der Kummer und die Sorgen die letztendlich auf dem Rücken der Kunden ausgetragen wurden. Die kamen nicht oder zu spät am Ziel an. Was soll’s, die haben doch im Voraus per Monatskarte bezahlt.

Der neuste Coup der Bahn ist, dass die zweite Bahn Richtung Berlin am Morgen aus Stendal kommt und mit aller Regelmässigkeit zu spät in Rathenow ankommt. Grund hierfür sind Anschlussreisende in Stendal, die zur Abfahrt der RE2 noch nicht am Bahnhof sind. Hier hält der Bahn-General in Sachsen-Anhalt einfach die Räder an, läßt seine drei, vier Leute noch in die RE2 steigen und ab geht’s. Zehn,  15 oder gar 20 Minuten Verspätung sind dann normal. Sind wir nicht alle solidarisch? In Rathenow warten ja nur die ersten 100 – 200 Pendler nach Berlin. Bis Dallgow-Döberitz dürfte der Zug voll sein. Alle haben vollstes Verständnis für die Umtriebe der Bahn und sind froh zu später am Arbeitsplatz zu sein, ihre Anschlüsse zu verpassen oder einfach nur 20 Minuten nach zu arbeiten – weil es die Bahn so will. Mir täten die drei, vier Leutchen in Stendal echt leid, wenn sie 45 Minuten auf den nächsten Zug warten müssten. Warum die Bahn keine Abhilfe schafft ist ein ewiges Rätsel.

Beschweren bei der Bahn führt quasi zu nichts. Man bedauert zu tiefst, dass es wieder Probleme gab, gelobt Besserung und entschuldigt sich tausendmal. Wie man anhand der verschiedenen Schriftarten bei den Antworten im Text (Email) erkennen kann sind das auch nur zusammengeklaubte Textbausteine – vielleicht sogar ein Roboter(?).

Vielleicht schaut die Bahn mal Richtung Schweiz oder Taiwan. Wie die das dort machen ist einfach rätselhaft, aber weit über 95% pünktliche Züge, gemessen von unabhängigen Unternehmen, ist schon toll. Die Bahn liegt nach eigenen Angaben bei etwas unter 90%. Hier misst die Bahn selber ihre Pünktlichkeit und wertet nach einem geheimen Verfahren die Zeiten aus.

Wer jeden Tag einmal hin und zurück pendelt gewinnt schnell den Eindruck, dass jeder zweite Zug mindestens fünf Minuten Verspätung hat. Das sind dann 50% unpünktlich. Natürlich darf man für Statistiken nicht einfach einen Wert aus der Masse nehmen, aber wen es immer wieder trifft ….

PS: Wenn ich um 15:47 am Ostbahnhof in die RE2 steige und nach Rathenow fahre weiß ich genau, dass wir nie um 16:54 Uhr ankommen – eher 17 Uhr und später. Schade, dass die Busse am Bahnhof in Rathenow nur begrenzt warten. Wer jetzt keinen Kumpel hat der ihn mitnimmt oder abholt, darf auch hier wieder 45 Minuten auf den nächsten Bus warten.

5 Gedanken zu „Die Bahn, die Bahn – und nichts wird besser

  1. DJ

    ja aber es gibt Leute die sehr dankbar sind,dass der zug noch wartet.weil denn lieber 10 Minuten zu spät in Berlin ankommen als 1 Stunde auf den nächsten Zug warten.In Berlin fahren doch so viele Verkehrsmittel wo es doch nicht das Problem sein sollte pünktlich auf die Arbeit zu kommen.Und wenn man weiß,dass der Zug immer Verspätung hat,dann fahre ich doch einen Zug früher.wo ist das Problem????
    Wer keine Probleme hat,macht sich halt welche….

    PS:ich bin selbst Pendler und mir macht das nicht soviel aus.Hauptsache ich komm an mein Ziel an.

  2. tomtom

    So wie Du haben inzwischen viele resigniert. Hinter vorgehaltener Hand hört man immer wieder Raunen und Beschwerden wenn die Verspätung angesagt wird. Aber eben nur beim Nachbarn auf dem Bahnhof.
    Was die Verkehrsmittel in Berlin betrifft: Wer in der City aussteigt und arbeitet hat eher kein großes Problem mit Verspätungen. Wer stadtauswärts fährt schon eher. Noch mehr Pech hat, wer in eine andere Regionalbahn umsteigen muss, die aber wegen der eigenen Verspätung weg ist. Da wurde nichts zurück gehalten.
    Tja, und „Hauptsache ankommen“? Wenn ich beim Chinesen Ente bestelle will ich auch keine halbe Portion gebratene Nudeln zum gleichen Preis.

  3. DJ

    Naja aber was nützt das rummeckern?Ändern tut sich da eh nichts.Auch wenn die „kleinen“ Leute sich bei den „großen“ beschweren, werden sie bloß sagen: Tut uns leid.Wir werden alles machen damit sich das ändert.Aber ändern tut sich da eh nichts.

  4. Sebastian

    Ich bin glücklicherweise selten auf die Deutsche Bahn angewiesen, war es aber eine Zeit lang. An 5 Tagen in der Woche kam mein Zug auf der Rücktour 4 mal zu spät, wovon er einmal nicht kam. Das wiederum wurde von einem Bahnmitarbeiter verneint. Scheinbar hat sich der Zug an mir vorbei gebeamt… So oder so ähnlich war es oft. Heute nutze ich den Zug selten, ab und an, um zu Seminaren zu fahren. Die Ankunftszeiten sind äußerst knapp, was auch nicht schlimm ist, dann sitzt man da nicht sinnlos rum. ABER in meinen Fällen kommen die Züge jedes dritte mal zu spät und somit ich auch.
    Weiteres Manko, unfreundliches und inkompetentes Personal beim Fahrkartenverkauf (nicht alle, aber doch immer mal wieder), an vielen Bahnhöfen keine Toiletten, Durchsagen, Unterstellmöglichkeiten – absolut top, wenn ein Zug ausfällt. Der dreckige Zustand der Züge und vorhandenen Toiletten muss man allerdings zum großen Teil auch den Fahrgästen zuschreiben.
    Ich für meinen Teil mag Zugfahren nicht, wenn die Strecke mit dem Auto vertretbar ist, dann fahre ich Auto. Dann ist man von der Abfahrt her unabhängiger.

  5. tomtom

    Dass Züge dreckig werden ist in der Tat von den Fahrgästen fabriziert. Wenn der Zug allerdigs in der Nacht stillsteht wird er sauber gemacht – denkt man. Im ersten Zug von RN nach Cottbus (04:05 Uhr) sind die Sitze voll gekrümelt und die kleinen Müllbehälter an den Sitzen teilweise nicht entleert. Vielleicht sitze ich aber auch bloss in dem Wagen, der mal nicht gereinigt wude. Was die Klos betrifft wage ich mir kein Urteil zu erlauben – ich benutze sie nicht (bevor ich krank werde).

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